Frugalismus: Was ist das? Was können wir davon lernen?

Du möchtest finanziell abgesichert sein, deinen Träumen nachjagen und weniger bis gar nicht mehr arbeiten? Das mag wie ein Hirngespinst klingen. Doch für Frugalisten steht dieser Lifestyle an der Tagesordnung. Mithilfe von Sparsamkeit und klugen Investments verwirklichen sie ihre Träume – und das meist schon mit 30 Jahren! Was der Frugalismus eigentlich ist und was wir davon lernen können, zeigen wir dir jetzt.

Was ist Frugalismus eigentlich?

Dem einen begegnet der Begriff immer wieder, dem anderen kommt er wie eine neue Modeerscheinung vor. Hat er was mit Essen zu tun? In diesem Fall nicht zwingend. Frugalisten betreiben keine spezielle Diät oder Ernährungsform – und es gibt sie auch nicht erst seit gestern.

Wird der Begriff „Frugalismus“ ins Deutsche übersetzt, dann bedeutet er so viel wie Sparsamkeit oder auch Genügsamkeit. Das trifft den Nagel auf den Kopf, denn Frugalisten sind sparsam. Ihnen genügt ein so einfacher Lebensstil, wie nur möglich. Doch heute ist er viel mehr als nur ein einfaches Leben. Menschen mit einem frugalen Lebensstil leben enthaltsam und bewusst, um auf diesem Weg so viel Geld wie möglich anzusparen. Zudem investieren sie klug. Ihr Ziel ist es in der Regel, bereits mit 30 Jahren in Rente zu gehen. Kurz und knapp: Sie streben nach finanzieller Freiheit.

Rente mit 30 oder 40

Manche Menschen treten mit 30 Jahren ins Berufsleben ein. Im Frugalismus wird hingegen der Renteneintritt mit 30 oder 40 Jahren angestrebt. Es ist inzwischen sogar ein regelrechter „Wettkampf“ unter den Frugalisten ausgebrochen, wer am sparsamsten leben kann und wer mit dem größten Verzicht auskommt. 

Wie viel Geld ist zum Leben notwendig?

Eine sehr spannende Frage ist, wie viel Geld überhaupt zum Leben notwendig ist. Die Frage, wie hoch die monatlichen Ausgaben sind, betrifft nicht nur Menschen mit einem frugalen Lebensstil. Um die regelmäßigen Ein- und Ausgaben zu ermitteln, bietet sich ein Haushaltsbuch oder auch eine Excel-Tabelle an.

Jeder kennt es: Eine Onlinebestellung per PayPal bezahlen, den Döner um die Ecke in bar und dann noch eine Kartenzahlung im Supermarkt. Das kann schnell unübersichtlich werden und nicht jede Ausgabe erscheint in den Kontoauszügen. Wer ein Bewusstsein über sein Konsumverhalten erlangen möchte, kann jede Ausgabe dokumentieren, mit Art der Ausgabe sowie dem Betrag. Der Überblick ist grandios und die Dokumentation kostet nur wenige Sekunden pro Einkauf.

Rente mit 40 – klappt das?

Der Renteneintritt mit 40 Jahren klingt zu schön, um wahr zu sein. Ob er auch für dich infrage kommt, kannst du mit einem Rentenrechner für frugale Lebensstile ermitteln. Online stehen dir dafür verschiedene Webseiten zur Verfügung.

Wichtig ist, eine monatliche Sparrate von ca. 60 Prozent zu haben. Des Weiteren muss das Geld gut angelegt sein, denn dadurch finanzierst du dich in den Folgejahren. Während das Geld für dich via Zinsen und Zinseszinsen eintrudelt, kannst du dich deinen Träumen widmen. Doch eine Sparrate von 60 Prozent bleibt wohl doch etwas für Besserverdiener. So können Studierende beispielsweise diesem Sparziel nicht gerecht werden. Aber auch für Geringverdiener bleibt der frühe Renteneintritt ein Traum, egal wie sparsam gehaushaltet wird.

Dafür geben Frugalisten kein Geld aus

Wer einen Frugalisten kennt oder sich bereits mit dem Thema beschäftigt hat, weiß, dass sie keine unnötigen Ausgaben tätigen. Jede Ausgabe wird bis aufs Kleinste hinterfragt. So steht kein Neuwagen vor der Tür und die größere Wohnung ist auch kein Thema. Sogar beim Kleidungskauf überlegen sie genau, ob sie das Kleidungsstück wirklich brauchen.

Doch nicht nur größere Anschaffungen, wie das neueste Smartphone, werden hinterfragt. Auch kleine Ausgaben wie belegte Brötchen oder der Kaffee unterwegs kommen unter die Lupe. An und für sich kosten diese Dinge nicht viel, doch hier eine grobe Rechnung mit Einsparpotenzial:

Auf dem Weg zur Arbeit holst du dir immer deinen geliebten Coffee-to-go für 2,10 Euro in deiner Lieblingsbäckerei um die Ecke. Dies tust du an 5 Tagen in der Woche. So zahlst du bereits pro Woche 10,50 Euro nur für Kaffee. Nach einem Monat sind bereits 42 Euro deines Einkommens weg – nur für Kaffee. So kostet dich der Coffee-to-go im Jahr ca. 504 Euro, wenn Urlaubs- und Krankheitstage unbeachtet bleiben. Eine bessere Alternative wäre es, sich den Kaffee morgens von zu Hause mitzunehmen.

Wissenswert: Wer noch ein Brötchen für 2,30 Euro täglich nimmt, zahlt erneut 552 Euro im Jahr. Der Kaffee von Zuhause kostet im Schnitt 80 Cent und eine Scheibe Brot liegt bei etwa 13 Cent.

Diese Formen von frugalem Leben gibt es

Inzwischen haben sich die unterschiedlichsten Formen von Frugalisten entwickelt. Es geht schon längst nicht mehr nur um Sparsamkeit und einen frühen Renteneintritt. Welche Formen es gibt, verraten wir dir in diesem Teil unseres Blogs.

FIRE Frugalismus

Die bekannteste Form ist FIRE „Financial Independence, Retire Early“. Auf Deutsch heißt das so viel wie die finanzielle Unabhängigkeit erlangen und früh in Rente gehen. Mr. Money Mustache hat diese Bewegung bekannt gemacht. An sich geht es in dieser Form darum, so wenig wie möglich auszugeben, die Sparrate maximal zu erhöhen und dadurch so zeitig wie möglich in Rente zu gehen. 

Ökologischer Frugalismus

Frugalisten dieser Form haben ein hohes Umweltbewusstsein. Von Jahr zu Jahr produzieren wir immer größere Müllberge. Menschen dieses frugalen Lebensstils hinterfragen Neukäufe akribisch, denn immer wieder werden noch vollständig funktionsfähige Gegenstände und Kleidungsstücke entsorgt. Muss es wirklich das neueste Smartphone sein? Kann die Hose vielleicht noch geflickt werden? 

Der Hauptsinn in dieser Form liegt nicht darin, Geld zu sparen und dadurch einen frühen Renteneintritt zu genießen. Viel eher hinterfragen sie ihr Konsumverhalten und geben lieber Geld für hochwertigere Dinge aus, die sie letztendlich aber auch wirklich benötigen.

DIY Frugalismus

Die Kleidungsstücke selbst nähen, Obst und Gemüse im Garten anbauen und im eigenhändig ausgebauten Van leben – diese Punkte sprechen für den DIY Frugalisten. Menschen mit diesen Interessen führen nicht automatisch einen frugalen Lebensstil, doch einige entscheiden sich bewusst dafür.

In unserer schnelllebigen Welt ist diese Lebensform sehr entschleunigend. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen dafür entscheiden. Zudem kann damit Geld gespart werden, um finanziell unabhängiger zu werden. Doch auch hier steht die Vermehrung des eigenen Vermögens nicht im Mittelpunkt, ist aber ein toller Nebeneffekt.

Spiritueller Frugalismus

Diese Form hängt mit dem eigenen Glauben zusammen. Der Begriff Askese ist dir mit Sicherheit nicht fremd. Er bedeutet Enthaltsamkeit, kann im spirituellen Sinne aber nicht mit dem frugalen Lebensstil gleichgesetzt werden. Hier musst du nicht enthaltsam leben. Du hast die freie Wahl bei allem, was du dir leisten oder eben auch nicht leisten möchtest. Bei der spirituellen Variante ist er an den eigenen Glauben gekoppelt.

Minimalistischer vs. frugaler Lebensstil

Die meisten Punkte mögen wie die Beschreibung des Minimalismus klingen. Doch auch wenn die beiden Begriffe häufig als Synonyme verwendet werden, gibt es kleine aber feine Unterschiede. So geht es beim Minimalismus keinesfalls darum, Geld anzusparen und eine frühe, finanzielle Unabhängigkeit zu planen. Es geht vielmehr um einen bewussten Konsum. Wird die Sache benötigt? Wie viel Zeit nimmt sie in Anspruch? Brauche ich wirklich noch eine Jacke? 

Tipps zum Einstieg

Du findest den frugalen Lebensstil interessant und möchtest auch den einen oder anderen Euro sparen? Wir zeigen dir, an welchen Ecken du enthaltsamer leben kannst und auf Dauer deine Schatzkammer füllst.

1. Dein Essen planen

Dieser Punkt ist für viele schwierig, auch wenn er zunächst einfach klingen mag. Doch Studien konnten belegen, dass mit einem durchgeplanten Wocheneinkauf jede Menge Geld gespart werden kann. Plane bereits am Ende einer Woche, welche Gerichte in der kommenden Woche auf dem Teller landen. Bereits nach Woche 1 kannst du erste Ersparnisse verbuchen.

Tipp: Auch Snacks für unterwegs können in deine Planung integriert werden. Wer plant und frisch kocht, lebt nicht nur günstiger, sondern auch wesentlich gesünder.

2. Ungebrauchte Gegenstände verkaufen

Ebay Kleinanzeigen, Vinted und Co. sind wertvolle Plattformen, auf denen du die schlummernden Schätze in deiner Wohnung zu barem Geld machen kannst. Nimm dir ein Wochenende Zeit, um alle deine Sachen durchzuschauen. Brauchst du es wirklich? Lege alle unnötigen Dinge in eine Kiste und mache sie zu Geld.

3. Gebrauchte Dinge einkaufen

Wer einen neuen Laptop oder ein neues Smartphone benötigt, muss dieses nicht zwingend neu kaufen. Viele Menschen verkaufen ihre neuen Geräte, um sich andere Modelle zu kaufen. Du kannst davon profitieren. Hier musst du keinesfalls auf Flexibilität oder Leistung verzichten. Suche dir das Gerät deiner Wahl raus und stöbere im Anschluss nach gebrauchten Varianten oder auch nach B-Ware Artikeln, beispielsweise Ausstellungsstücke.

4. Abonnements hinterfragen

Netflix, Spotify und Co. gehören inzwischen zu unserem Lifestyle. Doch werden die Abos auch regelmäßig verwendet? Wie sieht es mit der Anmeldung im Fitnessstudio aus? Sortiere aus und behalte nur die Abonnements, die du regelmäßig verwendest.

5. Fahrrad fahren oder laufen

Das Auto fängt mit A an und hört mit O auf. Hier entstehen laufende Kosten. Da ist der anfallende Sprit das wohl geringste Übel. Die finanzielle und ökologisch bessere Wahl stellt das Fahrrad dar. Ist der Weg kurz, so kannst du auch laufen. Zudem entdeckst du tolle Ecken in deiner Stadt und kommst mental zur Ruhe.

6. Rabatte und Coupons nutzen

Rabattcodes und Vergleichsportale sind für Frugalisten wahre Freunde. Ob der 10 Prozent Coupon beim Drogeriemarkt um die Ecke oder die aktuellen Schnäppchen im Supermarkt. Auf Dauer entstehen enorme Ersparnisse, die wiederum für einen frühen Renteneinstieg oder andere Ziele genutzt werden können.

7. In eine kleinere Wohnung ziehen

Wer auf kleinerem Raum lebt, muss nicht nur weniger putzen, sondern zahlt in der Regel auch deutlich weniger. Eine große Wohnung ist ein Luxusgut, was eigentlich nicht notwendig ist. Brauchst du wirklich ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und ein Büro? Macht der begehbare Kleiderschrank wirklich Sinn? Gerade beim Thema Miete kann jede Menge Geld gespart werden.

Das können wir von Frugalisten lernen

Natürlich muss nicht jeder ein Frugalist werden und der Renteneinstieg mit 40 Jahren ist auch nicht für jeden möglich und attraktiv. Dennoch können wir von einem frugalen Lebensstil einen bewussten und nachhaltigen Lifestyle lernen. Wir konsumieren viel zu viel und kaufen ständig unnötige Dinge, die wir zum Leben nicht brauchen. Wer sich einmal mehr überlegt, was wirklich notwendig ist, wird auf Dauer nicht nur sparen, sondern auch ein viel entspannteres und aufgeräumtes Leben führen können – und dabei den einen oder anderen Euro sparen, welcher in die wirklich wertvollen Dinge im Leben investiert werden kann, beispielsweise in die lang erträumte Weltreise.

Fazit

Frugalismus ist ein bewusster und enthaltsamer Lebensstil, um sich dadurch finanziell unabhängig zu machen oder auch um sein Kaufverhalten aktiv mitzugestalten. Der frugale Lifestyle kommt nicht für jeden infrage, doch mit einer gesunden Frage an die eigenen Ausgaben ist es möglich, unnötige Investitionen zu erkennen und dadurch auf lange Sicht wahre Schätze anzusparen. Rücklagen sind für jeden Menschen attraktiv, nicht nur für Frugalisten, und dabei wird etwas Gutes für die Umwelt getan.

Schreibe einen Kommentar