Homeoffice im Ausland – der neue (Alb-) Traum

Homeoffice im Ausland – der neue (Alb-) Traum

Die Corona-Maßnahmen haben das Arbeiten von daheim salonfähig gemacht. Seither träumen viele vom Homeoffice im Ausland – Sonne, Strand und Palmen, statt Matsch und Minustemperaturen! Für Singles und Paare ohne Kind ist es auch nicht schwer, die Koffer zu packen und in Richtung Süden aufzubrechen. Auf dem Weg zum Homeoffice im Ausland lauern aber juristische Fußangeln und nicht zu unterschätzende praktische Hürden. In diesem Beitrag erläutern wir dir, worauf du achten musst, damit das Vorhaben nicht zum Albtraum wird.

Home Office im Ausland – ist das erlaubt?

Die Antwort auf die Frage, ob das Arbeiten vom Homeoffice im Ausland aus erlaubt ist, lautet: Es kommt drauf an! Von den Pandemie-Bestimmungen einmal abgesehen, gibt es kaum gesetzliche Vorschriften, die das Arbeiten von zuhause aus regeln. Es kommt deshalb darauf an, was du mit deinem Arbeitgeber vereinbart hast. In größeren Firmen existieren mittlerweile fast immer Betriebsvereinbarungen zum diesem Thema. Du solltest also als erstes prüfen, welche Regeln in deinem Unternehmen gelten.

Wenn dein Arbeitgeber einen Betriebsrat hat, erkundigst du dich am besten gleich dort. Sollte aufgrund einer Betriebsvereinbarung nur das Arbeiten von einem inländischen Arbeitsplatz aus erlaubt sein, musst du dein Vorhaben aber nicht gleich begraben. Den Erfüllungsort, also den Ort wo du deine Leistung zu erbringen hast, können die Parteien einvernehmlich nach eigenem Gutdünken festlegen. Es hängt also auch von deinem Verhandlungsgeschick ab, ob du deinen Arbeitgeber überzeugen und deinen Traum vom Homeoffice im Ausland realisieren kannst. Einklagbar ist ein solches Arrangement aber normalerweise nicht. 

Ohne entsprechende Regelung solltest du dich keinesfalls klammheimlich vom Acker machen und ins Homeoffice im Ausland flüchten, auch nicht für ein paar Wochen. Sofern du vertraglich verpflichtet bist, von einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Region aus zu arbeiten, verstößt du gegen deinen Arbeitsvertrag und riskierst eine Abmahnung, eventuell sogar eine Kündigung, wenn du deinen Laptop ohne vorherige Absprache einfach im Ausland aufklappst. 

Wer trägt die Kosten?

Du hast deinen Arbeitgeber von deinen Plänen überzeugt? Dann solltet ihr nicht nur den Erfüllungsort neu festlegen, sondern euch auch mit der Frage nach den Kosten auseinandersetzen. Besonders wichtig ist dabei das Thema Reisekosten. Sehr viele Tätigkeiten können ganz überwiegend „remote“ erledigt werden. Aber was, wenn du doch einmal an einer Präsenzveranstaltung teilnehmen musst? Wer trägt dann die Kosten für die Reise vom Homeoffice im Ausland an den Zielort? Auch die Kosten für Telekommunikation, Internet und Büromaterial können im Ausland deutlich höher sein, als in Deutschland. Die meisten Arbeitgeber werden hier darauf bestehen, dass die verursachten Mehrkosten vom Arbeitnehmer selbst getragen werden. In diesem Fall solltest du darauf achten, dass die Anzahl der jährlichen Pflichtveranstaltungen im Inland der Höhe nach begrenzt wird. Und selbstverständlich solltest du einmal kritisch durchrechnen, was dich das Homeoffice im Ausland unter dieser Prämisse kostet.

Ostereiersuchen in Shanghai

Ein weiterer Aspekt, der schnell zur Verstimmung führen kann, sind der Urlaub und die gesetzlichen Feiertage. Wenn du in Europa bleibst, wird dein Jahresrhythmus auch weiterhin von den großen christlichen Festen bestimmt. Im fernen Osten sind das chinesische Neujahrsfest oder das Kirschblütenfest aber plötzlich spannender, als Ostern und Pfingsten. Und selbst wenn du nur in die Schweiz zügelst, möchtest du vielleicht lieber den Rütlischwur im August, als den Tag der Deutschen Einheit im Oktober zelebrieren. Die Vereinbarung von Gleittagen, die eine starre Feiertagsregelung ersetzen, ist deshalb oft sehr hilfreich. Darüber hinaus solltet ihr auch festlegen, ob die gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland oder die des Gastlandes gelten sollen. Hier fährst du mit der deutschen Regelung fast immer besser, die Deutschen sind mit im Schnitt 30 Tagen bezahltem Jahresurlaub die Spitzenreiter im internationalen Vergleich. Nur in der Slowakei darfst du dich über noch mehr bezahlte Freizeit freuen. 

Wie sieht es mit der Sozialversicherung aus?

Wenn du als abhängig Beschäftigter eines deutschen Unternehmens als »Digital Nomade« durch die Welt ziehst und in keinem Staat länger als drei Monate verweilst, ist die Sache meist ganz einfach. Du bleibt in der Regel in Deutschland steuer- und sozialversicherungspflichtig, solltest aber über eine Auslandskrankenversicherung nachdenken.

Für Auswanderer, die im Ausland einen neuen, dauerhaften Wohnsitz begründen, aber weiter für ein deutsches Unternehmen arbeiten, gestaltet sich die Sache komplizierter. Hier kommt es darauf an, ob Deutschland mit dem Gastland ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat und was dieses beinhaltet. In zahlreichen Staaten löst das Begründen eines Hauptwohnsitzes aber die Pflicht aus, sich im Inland gegen Krankheit zu versichern.

Die Mitgliedschaft in einer deutschen Krankenkasse oder eine private deutsche Versicherungspolice reichen dann nicht aus. In manchen Staaten, zum Beispiel Großbritannien, gibt es aber auch keine Krankenversicherungspflicht, stattdessen hat jeder Ansässige Zugang zu einem staatlich finanzierten Gesundheitssystem. Qualität und Service entsprechen aber nicht immer dem, was du aus Deutschland gewohnt bist. Eine private Zusatzversicherung kann das Versorgungsniveau aber deutlich verbessern. 

Wer bekommt deine Steuern?

Solange du als Nomade durch die Welt ziehst, zahlst du in der Regel weiterhin in Deutschland Lohnsteuer, die sofort vom Bruttogehalt abgezogen wird. Die oben schon erwähnten Reisekosten zu Präsenzveranstaltungen kannst du als Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Das Gleiche gilt für Telekommunikationskosten, Büromiete und Fahrtkosten von der Unterkunft zum Büro. Sobald du im Ausland sesshaft wirst, möchte aber auch dein Gastland ein Stück vom Steuerkuchen. Sofern ein Doppelbesteuerungsabkommen existiert ist dieses maßgeblich.

Meist laufen die Regelungen darauf hinaus, dass dir die in Deutschland gezahlte Lohnsteuer auf deine Steuerschuld im Gastland angerechnet wird. Ist dein ausländischer Steuersatz höher, als der deutsche, musst du die Differenz nachzahlen. Im umgekehrten Fall gibt es meist keine Erstattung, die Differenz steckt sich dann der deutsche Fiskus in die Tasche. Das internationale Steuerrecht ist im Detail aber oft sehr kompliziert. Du solltest dich in deinem neuen Gastland deshalb unbedingt zeitnah von einer Expertin oder einem Experten beraten lassen, damit der Traum vom Homeoffice im Ausland nicht in einem finanziellen Fiasko endet.


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