Kündigen ohne neuen Job. Ist das sinnvoll?

Das Kündigen ohne Perspektiven auf einen neuen Job scheint für viele Arbeitnehmer riskant zu klingen. Doch oftmals ist es der beste Ausweg, wenn du dich gerade in einer sogenannten Arbeits-Ohnmacht befindest. Wenn du daran denkst, deinen Job, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben, zu kündigen, wirst du sicherlich vor allem in deinem Umfeld auf Unverständnis stoßen. Vielleicht zweifelst du auch selbst daran, was nun die richtige Vorgehensweise ist, mit deiner Unzufriedenheit in deiner momentanen Arbeit umzugehen. Denn sobald du unzufrieden bist und keinen Spaß mehr an deinem täglichen Job hast, solltest du handeln. Welche Gründe es für diese Entscheidung gibt, zu kündigen ohne neuen Job, was für Chancen und Risiken damit einhergehen und auf was du besonders achten solltest, erfährst du in diesem Beitrag.

Wann ist Kündigen ohne neuen Job überhaupt sinnvoll?

Du befindest dich mittlerweile in der Phase, deine tägliche Arbeit aufzugeben. Und dies hat gute Gründe. Triftige Gründe, um den Job schnellstmöglich zu kündigen, auch ohne eine Alternative auf dem Arbeitsmarkt zu haben, können folgende sein:

Arbeitsrechtliche Situation

Ganz oft rührt die Unzufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von der arbeitsrechtlichen Situation her. Es werden zum Beispiel die üblichen Zuwendungen im Arbeitsvertrag nicht geleistet oder du arbeitest schon wochenlang über dein Stundenbudget hinaus und kriegst nicht in Aussicht gestellt, diese Mehrarbeit ausgleichen zu können. Wenn das vertraglich vereinbarte Arbeitspensum nicht eingehalten werden kann, führt das zu Frust. Befindest du dich in einer Situation, bei der auch Gespräche mit den entsprechenden vorgesetzten Personen keine Besserung in Ausschau bringen, ist dies ein guter Grund, eine Kündigung in Erwägung zu ziehen. Immerhin wird sich die moralische Auffassung in der Chefetage kaum auf lange Sicht ändern.

Mobbing und Zwischenmenschliches

Ein ebenso häufiger Grund für das schnellstmögliche Kündigen auch ohne neue Jobaussicht ist Mobbing am Arbeitsplatz. Du bekommst jeden Tag einen anderen gemeinen Spruch zu hören oder wirst regelmäßig im Team ausgelacht? Man hilft dir nicht oder manipuliert noch extra deine geleistete Arbeit, sodass du schlecht dastehst? Dies ist eine kaum tragbare Situation für dich und du solltest schnellstmöglich dein Umfeld wechseln. Denn Menschen, die dir das Leben schwer machen, sodass du jeden Morgen das Gefühl hast, nicht auf die Arbeit zu wollen, kann man nicht einfach stillschweigend tolerieren. Da Gespräche hierbei oftmals zu einer Verschlimmerung führen, ist die Kündigung das einzige Mittel, sich selbst zu schützen.

Über- oder Unterforderung

Die Arbeit ist dir einfach zu viel? Du bist körperlich am Ende oder fühlst dich emotional zu stark belastet und kannst die Aufgaben, die von dir abverlangt werden, nicht mehr leisten? Auch dann kann eine schnelle Kündigung das einzige Mittel darstellen, vor allem wenn eine Arbeitsplatzversetzung innerhalb des Unternehmens nicht möglich ist. Denn du wirst schon bald an deiner eigenen Grenze sein und auch regelmäßige Krankheitsphasen werden dir auf Dauer im Unternehmen nicht nützlich sein.

Das Gleiche kann ebenfalls der Fall sein, wenn dich deine tägliche Aufgabe unterfordert und langweilt. Du fühlst dich nicht gut genug ausgelastet und könntest deine Talente und Fähigkeiten bei einer anderen Arbeitsstelle besser nutzen. Vielleicht hast du sogar eine Ausbildung oder andere Qualifikation, die dich zu mehr bestimmt. Eine dauernde Unterforderung im Job kann dich zusätzlich psychisch belasten. Wenn dein jetziger Arbeitgeber dir keine andere Position im Unternehmen bieten kann, ist es für dich ebenfalls ratsam, zu kündigen.

Immenser Druck auf dich als Arbeitnehmer*in

Wer kennt es nicht? Der Druck seitens des Unternehmens auf dich als Arbeitnehmer kann manchmal hoch sein. Sei es, dass du Überstunden arbeitest oder dass du dich bei einem unverschuldeten Krankheitsfall nicht mal mehr traust, dich krankschreiben zu lassen. Krank auf die Arbeit? Das geht gar nicht. Deine Gesundheit leidet, körperlich als auch emotional, in einer solchen Situation. Herrscht in dem Betrieb dann wiederum auch noch Personalmangel, verschärft sich oftmals der Druck auf den Einzelnen. Doch du solltest dich in diesem Moment nicht ausbeuten lassen, sondern an eine gesunde Work-Life-Balance denken. Auch wenn das für dich bedeutet, kündigen zu müssen.

Führung im Unternehmen

Auch kann eine mangelnde oder zu durchdringende Führung der Grund für eine solche Kündigung sein. Du wirst kaum angeleitet, dein Arbeitsziel wird nicht transparent gemacht oder aber du fühlst dich permanent kontrolliert? Daran kannst du nur wenig ändern. Es sei denn, du verlässt dieses Unternehmen.

Warum kann Kündigen ohne neuen Job sinnvoll sein?

Oftmals ist das Kündigen ohne neue Jobaussichten der letzte Schritt, seine Unzufriedenheit aufgrund der Arbeit zu beseitigen. Wenn du nicht mehr weiter weißt oder schon vieles unternommen hast, um deine Situation zu ändern, bleibt dir nichts weiter übrig. Denn wenn Gespräche nicht helfen, wird dich auch in Zukunft keiner in diesem Unternehmen wertschätzen. Damit quälst du dich, und deine tägliche Arbeit wird zur körperlichen und emotionalen Belastung. Diese Unzufriedenheit wirst du früher oder später auch mit in andere Lebensbereiche nehmen, zum Beispiel in deine Beziehung oder in deine Hobbys. Wenn du nicht zufrieden mit deiner Arbeit bist, ist es schwer, auch in der Freizeit glücklich zu sein.

Welche Chancen birgt es, zu kündigen ohne neuen Job?

Vor allem das Kündigen ohne neue Jobaussicht birgt große Chancen, die du nicht unterschätzen solltest. Denn häufig ist die Doppelbelastung, während einem regulären Arbeitsverhältnis einen neuen Arbeitgeber zu finden, kaum zu ertragen. Diese Kündigung kann dich regelrecht befreien und dir zu neuem Selbstvertrauen verhelfen. Vertraue deinen eigenen Fähigkeiten und dass du es verdienst, eine bessere Jobsituation zu haben. Dies hilft dir, dich voll und ganz auf die Jobsuche zu konzentrieren. Wenn du schon deine belastende Arbeit gekündigt hast, wirst du motivierter sein, um eine neue Stelle zu finden. So kann auch der oftmals mühselige Bewerbungsvorgang für dich ein Leichtes sein. Ebenso ermöglicht dir diese Kündigung, groß zu denken.

Vielleicht kannst du deine bisherigen Erfahrungen nutzen und dich mit deiner eigenen Firma selbstständig machen? Eventuell qualifizierst du dich auch für andere Bereiche auf dem Arbeitsmarkt oder steuerst durch deine bisherige Berufserfahrung höhere Positionen an? Die Welt steht dir in dieser Phase offen. Nutze das und denke in großem Stil über deine jetzigen Möglichkeiten nach. Dabei kannst du zeitlich gut deine Kündigungsfrist nutzen. Denn schließlich musst du noch mindestens 4 Wochen bis 3 Monate in deinem bisherigen Unternehmen aushalten. Doch in dieser Zeit kannst du mit Ausblick auf das baldige Ende des Arbeitsverhältnisses dich ganz auf deine Karriere fokussieren. Letztendlich bist du damit ein Vorbild. Viele Menschen hadern mit dieser Entscheidung und verharren oftmals Jahre lang in der Unzufriedenheit. Doch je früher du dich für eine Kündigung entscheidest, desto länger wirst du in einem glücklichen Arbeitsverhältnis stehen.

Welche Risiken gehen mit einer Kündigung ohne neue Jobaussichten einher?

Natürlich ist die Entscheidung, zu kündigen, ohne einen neuen Job zu haben, auch riskant. Deshalb scheuen sich viele Arbeitnehmer*innen davor und verharren in ihrem vermeintlichen Schicksal. Denn wenn du kündigst, hast du zwar noch dein volles Gehalt, bis deine Kündigungsfrist endet. Doch danach erhältst du eine Sperre beim Arbeitsamt.

Normalerweise würde dir hier das Arbeitslosengeld I zur Verfügung stehen, um mehr Zeit für die Jobsuche in Anspruch zu nehmen. Doch wenn du aus eigenen Gründen kündigst und nicht vonseiten des Arbeitgebers entlassen wirst, hast du deinen Anspruch auf Arbeitslosengeld erstmal verwirkt. Dies birgt auch oft finanzielle Risiken für dich und eventuell für deine Familie und erhöht somit den Zeitdruck, eine neue Stelle zu finden. Je nachdem für welchen Bereich des Arbeitsmarktes du dich qualifizierst, kann die Bewerbungsphase unterschiedlich lang andauern. Ein weiterer belastender Faktor könnte die Reaktion deines Umfeldes sein. Vor allem Personen, die diese Unzufriedenheit im Job nicht spüren, könnten verständnislos reagieren. Doch für dich sollte dein Glück im Mittelpunkt stehen. Wer nichts wagt, der gewinnt auch nichts.

Tipps zum Kündigen ohne neuen Job: So befreist du dich erfolgreich aus der Unzufriedenheit

Der wichtigste Grundsatz in diesem Vorhaben lautet: Glaub an dich und gib niemals auf. Auch wenn dich die negativen Folgen abschrecken, so kannst nur du deine jetzige ausweglose Situation ändern. Nur du weißt, was du kannst und wozu du fähig bist auf der Arbeit. Nutze diese Motivation in deinen Bewerbungsgesprächen. Starte voll durch mit der Arbeitssuche oder mit deinem neuen Start-up. Du kannst damit beginnen, ein Bewerbungstraining zu machen und deinen Lebenslauf auf den neuesten Stand zu bringen.

Übe ein selbstbewusstes Auftreten und mache Werbung für dein eigenes Können. Und dann heißt es: anrufen, persönlich nachfragen, Mails schreiben, Bewerbungsgespräche absolvieren. Lass dich nicht schnell entmutigen nach Absagen, sondern bleib am Ball, auch wenn dies oftmals bedeutet, hunderte Bewerbungen zu schreiben. Begründe deine jetzige Kündigung plausibel deinem zukünftigen Arbeitgeber gegenüber. Wenn du alles in der Jobsuche gibst, wirst du auch schon bald deinen Traumjob finden.